Neuer Risikofaktor bei Frauen

    In einer neuen Arbeit (Paul M Ridker, Gemma A Figtree, M Vinayaga Moorthy, Samia Mora, Julie E Buring, C-reactive protein and cardiovascular risk among women with no standard modifiable risk factors: evaluating the ‘SMuRF-less but inflamed’, European Heart Journal, 2025;, ehaf658, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf658) wird für Frauen in der Women’s Health Study nachgewiesen, dass ein hohes CRP (hsCRP) als Entzündungsmarker auch ohne konventionelle RFs (SMurFs) ein hohes kardiovaskuläres Risiko anzeigt. Im Folgenden stellen wir den aktuellen Status dieser Studien dar.

    1. Was sind SMuRFs?

    Der Begriff SMuRFs bezieht sich auf die vier klassischen und gut etablierten modifizierbaren kardiovaskulären Risikofaktoren:

    • Bluthochdruck
    • Hyperlipidämie (erhöhter Cholesterinspiegel, insbesondere LDL)
    • Diabetes mellitus
    • Rauchen

    Dies sind die „großen Vier“, die in praktisch jedem Risikorechner (z. B. Framingham, SCORE2) verwendet werden.
    Sie sind veränderbar, d. h. durch Änderungen des Lebensstils oder Medikamente


    2. Das Problem der SMuRF-freien Patienten

    Überraschenderweise weist eine beträchtliche Anzahl von Patienten mit Myokardinfarkt (MI) keine SMuRFs auf.

    Studien zeigen, dass bis zu 15–25 % der akuten MI-Fälle bei sogenannten SMuRF-freien Patienten auftreten.
    Dies unterstreicht, dass Atherosklerose nicht allein durch traditionelle Risikofaktoren erklärt werden kann. Dieses Phänomen unterstreicht die Bedeutung neuer Risikomarker – Entzündungen, Genetik, Lipoprotein(a), psychosozialer Stress usw.


    3. CRP als Marker über SMuRFs hinaus

    Hochsensitives CRP (hs-CRP) spielt eine zentrale Rolle bei der Erläuterung des Risikos bei Personen ohne SMuRFs:
    Entzündung als Treiber:

    Atherosklerose ist im Grunde genommen eine entzündliche Erkrankung und nicht nur ein Problem der Lipidspeicherung.
    CRP spiegelt eine systemische Entzündung wider, die Plaques destabilisiert, unabhängig von Cholesterin oder Blutdruck.
    CRP in der Risikovorhersage:
    <1 mg/L → geringes Risiko
    1–3 mg/L → mittleres Risiko
    >3 mg/L → hohes Risiko

    Erhöhte CRP-Werte können Hochrisikopatienten ohne SMuRF identifizieren, die nach herkömmlichen Messwerten ansonsten als „gesund” erscheinen würden.

    Ergebnisse aus Studien:

    Die JUPITER-Studie zeigte, dass Patienten mit normalem LDL, aber erhöhtem hs-CRP einen erheblichen Nutzen aus Statinen hatten, was belegt, dass die Bekämpfung von Entzündungen wichtig ist.

    Die CANTOS-Studie bewies, dass die Verringerung von Entzündungen (durch IL-1β-Blockade mit Canakinumab) wiederkehrende kardiovaskuläre Ereignisse reduzierte, unabhängig von der Senkung der Lipidwerte.

    Women’s Health Study WHS mit Fokus auf die Wirkung erhöhter CRP-Levels auf das KHK-Risiko auch ohne konventionelle Risikofaktoren.


    4. Klinische Implikationen

    Für Patienten mit SMuRFs:
    CRP liefert zusätzliche prognostische Informationen, insbesondere wenn trotz optimaler Kontrolle von Cholesterin, Blutdruck und Glukose ein Restentzündungsrisiko besteht.

    Für Patienten ohne SMuRFs:
    CRP wird noch wertvoller, da es möglicherweise der einzige nachweisbare Biomarker für ein erhöhtes Risiko ist.
    Diese Patienten profitieren von einer engmaschigeren Überwachung und möglicherweise einer präventiven Therapie (Statine, Lebensstil, entzündungshemmende Strategien).


    ✅ Zusammenfassung:

    • SMuRFs = Bluthochdruck, Hyperlipidämie, Diabetes, Rauchen.
    • Viele Patienten mit Herzinfarkt weisen keine SMuRFs auf, was die Grenzen der traditionellen Risikovorhersage aufzeigt.
    • CRP (insbesondere hs-CRP) erfasst die entzündliche Komponente von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verbessert die Risikovorhersage und erklärt Ereignisse bei Patienten ohne SMuRFs.
    • Klinische Studien bestätigen, dass die gezielte Behandlung von Entzündungen das Risiko senkt, selbst wenn der Cholesterinspiegel normal ist.