4. November 2026

    Herzrhythmusstörungen HRS

    Die normale Schlagfolge des Herzens ist regelmäßig und zeigt eine normale, situations- oder belastungsabhängige Herzfrequenz (Puls) von 60-100/min unter Ruhebedingungen. Dies ist der Sinusrhythmus. Sinkt die Herzfrequenz unter dies Werte ( <60), spricht man von Bradycardie, die auch mit klärungsbedürftigen Symptomen wie Schwindel oder gar Bewusstlosigkeit einhergehen kann. Bei Sportlern ist dieser Effekt wünschenswert und zeigt möglicherweise einen Trainingseffekt an. Steigt die Herzfrequenz auf Werte über 100/min, spricht man von Tachycardie, die ebenfalls mit Symptomen einhergehen und durch Stress oder körperliche Belastung ausgelöst werden kann.

    Kurzfristiger oder dauerhafter unregelmäßiger Herzschlag stellt dagegen eine Normabweichung dar. Die Ursache ist meist eine HRS, die in ihrer Bedeutung von harmlos bis gefährlich reicht. Aufklärung bietet ausschließlich das EKG und hier die spezielle Technik des Langzeit-EKGs.

    HRS müssen nicht immer behandelt werden, da sie besonders in jüngeren Jahren oft harmlose „Aussetzer“ – Extrasystolen – sind. Sie werden z.B.durch Stress ausgelöst und sind kein Hinweis eine kardiale Grunderkrankung. Andere Grundkrankheiten, besonders der Schilddrüse, könne HRS auslösen. Hier steht die Behandlung der Grundkrankheit im Vordergrund.

    Eine notwendige Behandlung setzt immer eine sorgfältige Diagnose und Wertung der HRS voraus.

    So genannte Extraschläge ausserhalb der normalen Herzaktivität. Sie verursachen „Herzklopfen“ „… das Herz schlägt mir bis zum Hals“ o.ä.
    Sie können ausgelöst werden durch Stress jeder Art, Bluthochdruck, KHK, auch durch Schilddrüsenerkrankungen (Überfunktion), und es sollten immer ernste Grundkrankheiten ausgeschlossen werden.

    Oft sind sie jedoch „harmlos“ und verursachen lediglich subjektive Unsicherheit, auch Ängste bis hin zu Panikattacken, vor allem bei jüngeren Menschen.

    Hierbei handelt es sich um die häufigste Herzrhythmusstörung überhaupt, die im folgenden Beitrag zusammenhängend vorgestellt wird. Sie ist oft Ursache für embolische Schlaganfälle.

    zum Beitrag


    Kammertachycardie


    Kammerflimmern

    Hierzu zählen Kammertachycardien KT (oben), Kammerflimmern KF (unten). Sie sind immer lebensbedrohliche HRS. Sie können (KT) oder müssen (KF) zum Kreislaufstillstand (nicht Herz-Stillstand!) führen und damit zur Reanimation.

    Unter einer Asystolie (von altgriechisch a- „ohne“ und systolé „Zusammenziehen“) versteht man das vollständige Aussetzen der elektrischen und mechanischen Aktivität des Herzmuskels. Das Herz zieht sich nicht mehr zusammen und pumpt kein Blut mehr.

    Das EKG-Bild

    • Nulllinie (Flatline): Im Elektrokardiogramm (EKG) zeigt sich eine nahezu gerade Linie ohne erkennbare P-Wellen, QRS-Komplexe oder T-Wellen. [1, 2, 3]
    • Ausschlussfehler: Vor der Diagnose muss sichergestellt werden, dass die EKG-Elektroden korrekt angebracht sind und kein technischer Defekt oder ein Kabelbruch vorliegt. [1]

    Ursachen

    Man unterscheidet primäre und sekundäre Formen: [1]

    • Sekundäre Asystolie (ca. 80 %): Entsteht häufig im Verlauf nach einem Kammerflimmern, einem schweren Herzinfarkt, einem Stromunfall oder durch Sauerstoffmangel (Hypoxie).
    • Primäre Asystolie (ca. 20 %): Beruht auf einem direkten Versagen des herzeigenen Taktgebers (z. B. Sinusknotenstillstand oder kompletter AV-Block ohne Ersatzrhythmus).
    • Die „H’s und T’s“ (weitere klassische Auslöser): Hypovolämie, Hypoxie, Azidose, Hypo-/Hyperkaliämie, Hypothermie, Toxine/Medikamente, Herzbeuteltamponade, Tension Pneumothorax, Thromboembolie und Trauma.

    Symptome und Verlauf

    • Sofortiger Bewusstseinsverlust (innerhalb von 5 bis 10 Sekunden).
    • Pulslosigkeit und Aussetzen der Atmung (Apnoe / Atemstillstand nach ca. 60 Sekunden).
    • Unbehandelt führt eine Asystolie innerhalb weniger Minuten zum Tod.

    Therapie

    Eine Asystolie ist ein absoluter medizinischer Notfall und erfordert sofortige Reanimationsmaßnahmen (ACLS-Richtlinien): [1]

    1. Herzdruckmassage und Beatmung (CPR): Sofortiger Beginn ohne Unterbrechung (Frequenz 100–120/min).
    2. Medikamente: Frühzeitige Gabe von Adrenalin (1 mg intravenös oder intraossär alle 3–5 Minuten).
    3. Keine Defibrillation: Da keine elektrische Aktivität vorflimmert, ist ein Elektroschock (Defibrillation) bei einer reinen Asystolie wirkungslos.
    4. Ursachensuche: Gleichzeitiges Erkennen und Beheben der zugrundeliegenden reversiblen Auslöser (H’s und T’s).

    Die pulslose elektrische Aktivität (PEA) – früher auch als elektromechanische Entkopplung (EMD) bezeichnet – ist ein akuter, lebensbedrohlicher medizinischer Notfall.

    Bei einer PEA zeigt das EKG zwar noch eine organisierte elektrische Aktivität (z. B. einen scheinbar normalen Sinusrhythmus oder eine Bradykardie), das Herz besitzt jedoch keine mechanische Pumpfunktion mehr. Es wird kein Blut ausgeworfen, weshalb kein Puls tastbar ist.

    Wichtige Merkmale der PEA

    • Kein schockbarer Rhythmus: Im Gegensatz zum Kammerflimmern darf bei einer PEA keine Defibrillation durchgeführt werden, da Stromstöße dem stillstehenden Muskelgewebe in dieser Phase nicht helfen. [1]
    • Therapie-Fokus: Die sofortige Behandlung erfolgt nach den Advanced Cardiovascular Life Support (ACLS)-Richtlinien mittels Herzdruckmassage (CPR) und der schnellen Gabe von Adrenalin (1 mg alle 3–5 Minuten). [1]
    • Ursachensuche: Eine PEA hat fast immer eine zugrundeliegende, potenziell reversible (umkehrbare) Ursache. Ohne Behebung dieser Ursache kann das Herz die Pumpfunktion nicht wieder aufnehmen. [1, 2]

    Reversible Ursachen: Die 5 H’s & 5 T’s

    Im deutschsprachigen Raum wird die Fehlersuche bei einer Reanimation meist über die Merkregeln 4H und HITS (international: 5 H’s and 5 T’s) eingeprägt.

    Die H’s (Metabolisch / Volumen)Die T’s / HITS (Mechanisch / Obstruktiv)
    Hypovolämie (Massiver Blut-/Flüssigkeitsverlust)Herzbeuteltamponade (Tamponade)
    Hypoxie (Sauerstoffmangel)Intoxikation (Toxins, z. B. Drogen, Medikamente)
    Hydrogenionen (Azidose / Übersäuerung)Thromboembolie (Thrombosis, Lungenembolie / Herzinfarkt)
    Hypo- / Hyperkalämie (Elektrolytstörungen)Spannungspneumothorax (Tension pneumothorax)
    Hypothermie (Starke Unterkühlung)