4. Februar 2026

    Herzkrankheiten bei Frauen

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    Seit einigen Jahren ist der weibliche Organismus und seine organtypischen Unterschiede im Krankheitsfall in den Fokus der Medizin, auch der Kardiologie, getreten. Es war bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts üblich, wissenschaftliche Studien und daraus gewonnene kardiologische Erkenntnisse überwiegend auf den männlichen Anteil der Erkrankungen zu richten und diese auf das weibliche Geschlecht zu übertragen. Der Herzinfarkt war ja auch die Krankheit der Männer (Managerkrankheit). Erst in diesem Jahrhundert wurde erkannt, dass der weibliche Organismus nicht seltener erkrankt, aber im Falle der Herzerkrankung anders reagiert und andere Symptome aufweist als beim Mann. Hier ist die Forschung in vollem Gange. Auch die Wirkung von Medikamenten ist bei der Frau durchaus andersartig als beim Mann; jedoch auch das ist derzeit noch nicht weitergehend erforscht.
    Dies alles ist wichtig, weil auch der Arzt lernen muss, mit einer solchen geänderten, geschlechtergerechten Situation umzugehen und die andersartigen Symptome einzuordnen und auch bei der Therapie zu berücksichtigen.

    Zum Diagnose-Abschnitt Angina pectoris

    • Angina pectoris – Symptome bei Frauen
      • Kurzatmigkeit / Atemnot
      • Schweißausbrüche
      • Rückenschmerzen
      • Übelkeit
      • Erbrechen 
      • Schmerzen im Oberbauch
      • Ziehen in den Armen
      • Unerklärliche Müdigkeit
      • Depressionen
    Quelle Cardiosecur

    Das Ausstrahlungsschema unterscheidet sich deutlich von dem des Mannes. Während beim Mann die Austrahlung in den linken Arm bis in die Fingerspitzen charakteristisch ist, fehlt dies bei der Frau. Statt dessen gibt sie eher eine Ausstrahlung in Oberbauch oder Rücken an, was oft zur einer Fehldiagnose (Wirbelsäule oder Gastritis) führt.

    • Herzinfarkt :
      • Prognose: Selbst wenn Männer einen Herzinfarkt häufiger erleiden als Frauen, ist die Prognose bei Frauen deutlich schlechter.
      • Alter
        Frauen erleiden den Herzinfarkt in einem höheren Alter als der Mann, etwa 10 Jahre nach der Menopause. Der Wegfall des Östrogenschutzes trägt dazu entscheidend bei.
      • Gefäßreaktion: bei der Frau kommt es speziell in den jüngeren Jahren eniger zum arteirosjklerotischen Veefgkuss einer Arterien
      • Zeitverlust:
        Da sie die Symptome meist selbst nicht gut einordnen können, übersehen sie ihren Infarkt häufig. Die Zeit bis zur Diagnosestellung oder zur Katheteruntersuchung ist daher länger als bei Männern – ca. ein Drittel. Dabei spielt auch der Arzt eine große Rolle: er ordnet die Symptome ebenso weniger gut ein und übersieht diese sogar. Das alles verschlechtert die Prognose.

    Es besteht eine deutliche Alters- und Geschlechtsabhängigkeit des klassischen Herzinfarkts (STEMI): jüngere Frauen erkranken seltener und sind dennoch besonders gefährdet, aber nach der Menopause holen die Frauen auf.

    Zum Allgemein-Abschnitt Die kardiovaskulären Risikofaktoren

    Klassische und beeinflussbare Risikofaktoren der Frau

    • Bluthochdruck: Ein erhöhter Blutdruck ist ein wichtiger Risikofaktor.
    • Diabetes: Frauen mit Diabetes Typ II haben ein deutlich höheres Risiko für einen Herzinfarkt als Männer mit Diabetes.
    • Übergewicht: Insbesondere extremes Übergewicht (Adipositas) erhöht das kardiale Risiko signifikant.
    • Rauchen: Rauchen ist ein starker Risikofaktor. Kombinationen mit anderen Faktoren, wie der Einnahme oraler Kontrazeptiva, verstärken das Risiko zusätzlich.
    • Erhöhte Blutfette: Ein zu hoher Cholesterinspiegel ist ein etablierter Risikofaktor.
    • Bewegungsmangel: Ein Mangel an körperlicher Aktivität kann zu Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht beitragen. 

    Spezifische Risikofaktoren bei Frauen

    • Schwangerschaft: Komplikationen in der Schwangerschaft, wie Schwangerschaftsdiabetes oder Präeklampsie, können ein erhöhtes Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeuten.
    • Menopause: Der Rückgang des Östrogenspiegels nach den Wechseljahren kann zu einer Gefäßversteifung beitragen.
    • Brustkrebsbehandlungen: Eine Chemotherapie oder Strahlentherapie bei Brustkrebs kann das Herz belasten.
    • Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und andere Autoimmunerkrankungen sind Risikofaktoren.
    • Depression und Stress: Psychische Faktoren wie Depressionen, Angst und chronischer Stress können das Risiko erhöhen. 

    Soziokulturelle Faktoren

    • Soziale Isolation: Mangelnde soziale Kontakte können das Risiko erhöhen.
    • Geringes Einkommen und Bildungsstatus: Soziokulturelle Faktoren können mit einem höheren kardiovaskulären Risiko einhergehen. Das gilt aber auch für Männer.

    Lebensstil-Änderung bei der Frau

    Bei der Frau kommt es darauf an, die Änderung des Lebensstils so intensiv und gesundheitsbewusst zu betreiben -genauso wie beim Mann – doch stehen hier Entspannung, Achtsamkeit und meditative Übungen dazu im Vordergrund.

    • Entspannung
    • Bewegung
    • Rauchfrei leben
    • Gesund ernähren, gemeinsame Mahlzeiten
    • Soziale Geborgenheit
    • Grippeimpfung

    zum Diagnose-Abschnitt Bluthochdruck

    Ein spezieller Risikofaktor bei Frauen ist der Bluthochdruck, der bei Frauen über 60 Jahren häufig ist. Die Normwerte sind für beide Geschlechter gleich (120/80 mm Hg), doch gibt es Hinweise, dass bei der Frau dieser Wert bereits mit einem erhöhten Herzkreislaufrisiko verbunden ist.

    Besonderheiten bestehen in der Schwangerschaft (Eklampsie) und bei Einnahme der Pille zur Kontrazeption. Letztere können bei Übergewichtigen zur Auslösung von Bluthochdruck und bei vorbestehendem Hochdruck zur Verschlimmerung führen. Sie sollten daher dann nicht eingenommen werden.

    Es ist neuerdings bekannt geworden, dass bei Frauen diese Erkrankung häufig Folge einer Hochdruckkrankheit ist. Dabei wurde auch deutlich, dass Frauen seltener an Herzschwäche erkranken als Männer mit einer KHK, dies jedoch in einem Alter über 80 Jahren später „nachholen“. Dann ist diese Erkrankung mit einem bis zu 6fach höheren Sterberisiko behaftet. (Metaanalyse-Studie an mehr als 78000 Patienten aus 2019; DOI:10.1016/j.jchf.2018.08.008)

    Die auch bei Frauen angezeigten Medikamente etwa zur Behandlung der Herzmuskelschwäche oder des Bluthochdrucks können andersartige Nebenwirkungen aufweisen als bei Männern. So sind z.B. Reizhusten unter ACE-Hemmern oder Muskelschmerzen unter Statintherapie bei Frauen häufiger als bei Männern.

    Depressionen und verwandte psychische Abnormitäten sind unabhängige Risikofaktoren besonders bei Frauen. Wir kennen z.B. das „Happy Heart Syndrome“, das unter (manchmal auch positivem) Stress entsteht und auch ohne KHK einen Herzinfarkt imitieren kann. Dieser ist auch als Typ-2-Infarkt bekannt und hat als Grundlage Koronarspasmen. Das broken-heart-Syndrom gehört ebenfalls in diese Kategorie. 80% der Betroffenen sind Frauen.

    Zwischen der seelischen Verfassung und dem Verlauf einer KHK besteht eine negative Wechselbeziehung. Nach einem Herzinfarkt erleiden Frauen häufiger eine depressive Gemütsveränderung und umgekehrt kommt es bei depressiven Frau häufiger zu einem Herzinfarkt, allerdings meist in Verbindung mit zusätzlichen Risikofaktoren (Fettstoffwechsel, Rauchen etc.).

    Die Behandlung sollte in einer Teamarbeit zwischen Kardiologen und Psychiater bestehen. Dies wird inzwischen von den Fachgesellschaften gefordert (Psychokardiologie)