Aktuelle Trends bei Herzkrankheiten

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    1. Intravaskuläre Bildgebung wird zum Standard

    IVUS und OCT gewinnen weiter an Bedeutung – insbesondere bei komplexen Läsionen, Left-Main-PCI, Bifurkationen, langen Stents und bei der Beurteilung von Stentexpansion und -apposition.

    Der Trend geht weg von:

    „Wie sieht die Stenose angiographisch aus?“

    hin zu:

    „Welche Plaque liegt tatsächlich vor, wie gefährlich ist sie und wie muss ich sie optimal behandeln?“

    Damit wird PCI zunehmend imaging-guided.


    2. Physiologie statt alleiniger Stenosebeurteilung

    FFR und iFR bleiben wichtig. Besonders interessant ist die zunehmende Kombination von:

    Anatomie + Physiologie + Bildgebung

    also beispielsweise:

    CT → Koronarangiographie → IVUS/OCT → FFR/iFR → individualisierte PCI

    Die 2024 ESC-Leitlinie zu chronischen Koronarsyndromen betont bereits eine stärker risikobasierte Diagnostik und widmet ANOCA/INOCA deutlich mehr Aufmerksamkeit. (Escardio)


    3. Plaque statt Stenose

    Das halte ich für einen der wichtigsten Paradigmenwechsel.

    Die Frage wird künftig weniger lauten:

    „Wie hochgradig ist die Stenose?“

    sondern:

    „Welche Plaque ist biologisch gefährlich?“

    Dazu gehören:

    • Lipid-rich plaque
    • positive remodeling
    • thin-cap fibroatheroma
    • Plaque burden
    • Verkalkung
    • Plaqueprogression, -regression

    Hier treffen sich interventionelle und präventive Kardiologie unmittelbar.

    Denn eine vulnerable Plaque kann möglicherweise durch aggressive Prävention stabilisiert oder minimiert werden, bevor sie zum akuten Koronarsyndrom führt.


    4. Komplexe PCI nimmt zu

    Mit der Alterung der Bevölkerung nimmt die Zahl komplexer Koronarsituationen zu:

    • CTO-PCI
    • Left-Main-PCI
    • Bifurkationen
    • schwere Koronarkalzifikation
    • Mehrgefäßerkrankung
    • Re-Interventionen
    • Hochrisiko-PCI

    Daraus entstehen weitere Trends:

    Intravaskuläre Lithotripsie, atherektomische Verfahren, moderne Drug-Eluting-Stents und mechanische Kreislaufunterstützung bei ausgewählten Hochrisikopatienten.

    Die Entwicklung geht deutlich über die klassische Koronarintervention hinaus:

    TAVI wird zunehmend auch bei Patienten mit niedrigerem Operationsrisiko relevant.

    Mitralklappe

    TEER und weitere transkatheterbasierte Verfahren entwickeln sich weiter.

    Trikuspidalklappe

    Hier sehe ich einen der interessantesten Wachstumsbereiche:

    Trikuspidalinsuffizienz → Transkatheter-Therapie

    Left-Atrial-Appendage-Occlusion

    Bei ausgewählten Patienten mit Vorhofflimmern und entsprechender Blutungsproblematik gewinnt auch der interventionelle Verschluss des linken Vorhofohrs an Bedeutung.


    6. KI verändert das Herzkatheterlabor

    Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten mittelfristigen Trends.

    KI wird zunehmend eingesetzt für:

    • automatische Koronaranalyse
    • Plaqueanalyse
    • OCT-/IVUS-Auswertung
    • Stenosequantifizierung
    • FFR-Berechnung
    • CT-Analyse
    • Risikoabschätzung
    • Prozedurplanung
    • Dokumentation

    Sehr interessant ist beispielsweise die Entwicklung von KI-basierten Verfahren zur automatisierten Analyse intravaskulärer Bildgebung. (arXiv)

    Der Herzkatheter wird dadurch zunehmend zu einem datengetriebenen Arbeitsplatz.


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    Hier sehe ich sogar einen noch größeren Paradigmenwechsel.

    7. „Lower, earlier, longer“

    Das klassische Präventionsmodell:

    Risikofaktoren behandeln, wenn sie krank machen

    wird ersetzt durch:

    Atherosklerose möglichst früh verhindern.

    Das betrifft insbesondere:

    LDL-Cholesterin

    Die 2025 aktualisierte ESC/EAS-Dyslipidämie-Leitlinie verstärkt die Bedeutung einer konsequenten Lipidsenkung entsprechend dem individuellen Risiko. (Escardio)

    Die zentrale Erkenntnis bleibt:

    Die Dauer der LDL-Exposition ist entscheidend.

    Damit wird Prävention zunehmend zu einer lebenslangen Strategie.


    8. Adipositas wird zu einem kardiologischen Therapieziel

    Das ist aus meiner Sicht einer der größten Trends der kommenden Jahre.

    Die Kardiologie beschäftigt sich nicht mehr nur mit:

    Blutdruck – LDL – Diabetes

    sondern zunehmend mit:

    Adipositas als eigenständigem kardiovaskulärem Risikofaktor.

    GLP-1-basierte Therapien und verwandte Medikamente verändern dabei das therapeutische Konzept.

    Damit entsteht ein neues Feld:

    „Cardiometabolic Prevention“

    also die gemeinsame Behandlung von:

    • Adipositas
    • Diabetes
    • Hypertonie
    • Dyslipidämie
    • Herzinsuffizienz
    • CKD “chronuc kidney disease
    • ASCVD “atherosclerotic coronary vascular disease”

    9. Prävention wird personalisiert

    Das nächste Präventionsmodell wird nicht mehr nur mit:

    Alter + Geschlecht + Blutdruck + Cholesterin + Rauchen

    arbeiten.

    Die klassische Prävention:

    Arzt → Beratung → Patient geht nach Hause

    wird zunehmend zu:

    Arzt + App + Wearable + Telemonitoring + KI + kontinuierliches Feedback

    Beispiele:

    • Blutdruckmonitoring
    • Smartwatch
    • Aktivität
    • Schlaf
    • Herzfrequenz
    • ECG
    • Gewicht
    • Glukose
    • Tele-Rehabilitation
    • digitale Präventionsprogramme

    Die ESC/EAPC hat 2025 beispielsweise Standards für die digitale Telerehabilitation veröffentlicht. (Escardio)


    Ein weiterer Trend: Umweltkardiologie

    Sie wird meines Erachtens erheblich wichtiger.

    Prävention wird künftig nicht mehr nur bedeuten:

    „Was soll der Patient tun?“

    sondern auch:

    „Welchen zusätzichen kardiovaskulären Belastungen ist der Patient ausgesetzt?“

    Dazu gehören:

    • Hitze
    • Luftverschmutzung
    • Feinstaub
    • Lärm
    • extreme Wetterereignisse
    • möglicherweise PFAS und andere “Ewigkeits”-Umweltchemikalien

    Die ESC hat 2025 erstmals sehr deutlich Hitzeextreme und kardiovaskuläre Erkrankungen als gemeinsames Thema verschiedener kardiologischer Fachbereiche adressiert. (Escardio)


    Die eigentlich interessante Entwicklung: Beide Disziplinen wachsen zusammen

    Ich würde das für einen Kongress sogar als zentrale Botschaft formulieren:

    Früher

    Prävention → Erkrankung → Herzkatheter → Intervention

    Heute

    Risiko → frühe Atherosklerose → Bildgebung → Prävention → Intervention

    Zukunft

    kontinuierliche Risikobestimmung → frühzeitige Intervention → personalisierte Prävention → lebenslange Überwachung

    Damit verschwimmt die Grenze zwischen interventioneller und präventiver Kardiologie.


    Meine Prognose für 2030

    Interventionelle KardiologiePräventive Kardiologie
    IVUS/OCTLDL sehr früh und konsequent senken
    PhysiologieLp(a)/ApoB
    Komplexe PCIAdipositastherapie
    Intravaskuläre LithotripsieGLP-1/GIP-basierte Therapien
    TAVIpersonalisierte Risikoprofile
    Mitral-/Trikuspidal-TEERdigitale Prävention
    LAA-OcclusionWearables
    KI im KatheterlaborKI-Risikoprognose
    Robotik/AutomatisierungTeleprävention
    CT-basierte PlanungUmweltkardiologie

    Der vielleicht wichtigste Trend

    Ich würde die Entwicklung sogar in drei Ebenen zusammenfassen:

    1. Prevent before plaque

    Atherosklerose verhindern, bevor sie klinisch manifest wird.

    2. Detect before event

    Gefährliche Plaques und Hochrisikopatienten erkennen, bevor Herzinfarkt oder Schlaganfall auftreten.

    3. Intervene precisely

    Wenn Intervention notwendig ist, möglichst präzise, bildgebungsgestützt und minimalinvasiv behandeln.

    Das führt zu einem neuen kardiologischen Konzept:

    „From treating cardiovascular events to continuously managing cardiovascular risk.“

    Von der Behandlung kardiovaskulärer Ereignisse hin zu kontinuierlicher Überwachung des Herz-Kreislaufrisikos”

    Das ist meines Erachtens die zentrale Entwicklung der Kardiologie der nächsten 5–10 Jahre.

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