hsCRP: neuer Risikomarker für die KHK?

    Entzündung – KHK-Risiko?


    Was ist hsCRP? Es handelt sich um das hochsensitive CRP (C-reaktives Protein). CRP wird in der Leber gebildet und ist ein Entzündungsmarker, doch eine feinste und frühzeitige systemische Entzündung wird besser durch das hsCRP angezeigt. Es handelt sich um eine modifizierte photometrische Blutuntersuchung.

    Nach einer neuen Registerstudie aus 2026 mit ca. 450.000 Probanden aus der UK-Biobank ist das hochsensitive CRP (hsCRP) in dieser Kohorte ohne nachgewiesene ASCVD (arteriosklerotic coronary vessel disease; KHK) ein bedeutsamer Risikomarker für MACE und CV (cardiovascular) death. Die Probanden mit hohem hsCRP (>3 ng/l) hatten eine bis zu 34% höhere Ereignisrate als bei normal niedrigem hsCRP (<1 ng/l).

    Insgesamt zeigt diese Analyse von 448.653 Personen ohne bekannte ASCVD aus der bevölkerungsbasierten UK Biobank einen starken und unabhängigen Zusammenhang zwischen hsCRP und langfristigen kardiovaskulären Endpunkten. Wir beobachteten stabile hsCRP-Werte über serielle Messungen hinweg sowie einen konsistenten prognostischen Wert für MACE, kardiovaskuläre Todesfälle und Todesfälle jeglicher Ursache in allen untersuchten Untergruppen. Schließlich verbesserte die Einbeziehung von hsCRP in das SCORE2-Modell die Modellleistung bei der Vorhersage von MACE. Die routinemäßige Bestimmung des hsCRP-Werts sollte in künftigen Leitlinien berücksichtigt werden, um die kardiovaskuläre Risikobewertung zu verfeinern und Präventionsstrategien bei Patienten ohne ASCVD in der Anamnese zu verbessern.

    Inzwischen haben auch die Fachgesellschaften wie ESC und ACC diesen neuen RF als solchen erkannt und als Empfehlung aufgenommen. Ein erhöhter Wert (> 1 ng/l) sollte auch eine Behandlung nach sich ziehen. Hier war der monoklonale IL-1β-Antikörper Canakinumab effektiv und reduzierte die ASCVD-Ereignisrate. Doch war die Rate fataler Infektionen so hoch, dass der Antikörper zur Therapie nicht zugelassen wurde.

    Eine größere Rolle scheint der anti-inflammatorische Effekt von Colchicin zu spielen, das in niedriger Dosierung (0,5 mg /Tag) eine Wirkung haben könnte (COLCOT-Studie).

    Bei Patienten mit einem kürzlich erlittenen Myokardinfarkt führte Colchicin in einer Dosis von 0,5 mg täglich zu einem signifikant geringeren Risiko für ischämische kardiovaskuläre Ereignisse als Placebo.Insgesamt wurden 4745 Patienten in die Studie aufgenommen; 2366 Patienten wurden der Colchicin-Gruppe und 2379 der Placebo-Gruppe zugeordnet. Die Patienten wurden über einen Median von 22,6 Monaten nachbeobachtet. Der primäre Endpunkt trat bei 5,5 % der Patienten in der Colchicin-Gruppe auf, verglichen mit 7,1 % der Patienten in der Placebo-Gruppe (Hazard Ratio 0,77; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,61 bis 0,96; P = 0,02). Dies entspricht einer signifikanten Abnahme der Ereignisrate unter Colchicin von etwa 29%.

    Die Rate von unerwünschten ernsten Nebenwirkungen (Pneumonie; Lungenentzündung) war niedrig (0,9% vs. 0,4%), aber diese war signifikant. Dennoch könnte Colchicin eine therapeutische Bedeutung für systemische Entzündungen haben und das Risiko für MACE (major adverse coronary events) senken.


    Lit.:

    • Berkan Kurt, Martin Reugels, Kai M Schneider, Jens Spiesshoefer, Andrea Milzi, Alexander Gombert, Christopher B Fordyce, Florian A Wenzl, Neha J Pagidipati, Viviane Rocha, Marat Fudim, Abhinav Sharma, Michael Lehrke, Hiroaki Shimokawa, Giovanna Liuzzo, Lale Tokgozoglu, Filippo Crea, Thomas F Lüscher, Peter Libby, Paul M Ridker, Nikolaus Marx, Carolin V Schneider, Florian Kahles, C-reactive protein and cardiovascular risk in the general population, European Heart Journal, Volume 47, Issue 15, 14 April 2026, Pages 1799–1810, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf937
    • Huanyu Ding, Chak Kwong Cheng, Minchun Jiang, Xiang Cheng, Yu Huang, Colchicine in cardiovascular medicine: Current perspectives on mechanisms and clinical therapeutics, Pharmacology & Therapeutics, 285, (109053), (2026).https://doi.org/10.1016/j.pharmthera.2026.109053