
Es geht um die Verwendung sog. pluripotenter Stammzellen aus dem menschlichen Knochenmark oder Blut, die die Eigenschaft haben, sich in geegneter Umgebungen (z.B. Nährlösungen) zu Gewebszellen (Nervenzellen, Skeletmuskelzellen, aber auch Herzmuskelgewebe) umzuwandeln. So können diese Stammzellen sich auch zu aktivem Herzgewebe ausdifferenzieren, die kontraktil sind, d.h., sich aktiv und automatisch zusammenziehen können.
Die Überlegung nun war, dieses “gesunde” Gewebe mit kontraktiler Funktion auf ein geschädigtes Herz aufzubringen und zu erwarten, dass daraus “gesundes” Herzgewebe entsteht. Dieses Gewebe wird das Herzpflaster genannt und es wird per Naht auf den geschädigten Herzmuskel aufgebracht und dort belassen.
Erste Versuche an Ratten ergaben ermutigende Ergebnisse: “Wir haben mittels einer Ein-Schritt-Strategie dicke und funktionsfähige hADSC-Gewebeschichten entwickelt. Die hADSC-Gewebeschicht zeigte im Rattenmodell eine hervorragende Wirksamkeit bei der Behandlung von Herzinfarkten.”
Nun jedoch ist es gelungen, eine klinische Studie (BioVAT-HF-DZHK; Übersicht Herzmedizin) mit 20 klinisch an einer schweren Herzinsuffizienz (EF zwischen 19 und 20%) erkrankten und therapieresistenten Patienten durchzuführen, die ebenso und erstmalig auch klinisch ermutigende Ergebnisse aufwies.
“Insgesamt wurden 20 Patienten im Rahmen der Studie behandelt. Drei Patienten verstarben während der Studie (jeweils einer an Vasoplegie, an einer Coronavirus-Erkrankung 2019 und an einer Aortendissektion). Ein Patient unterzog sich einer Herztransplantation. Die Immunsuppression wurde bei 4 Patienten aufgrund der Implantation eines linksventrikulären Herzunterstützungssystems (bei 2 Patienten), Nierenversagens (bei 1 Patienten) und eines Urothelkarzinoms (bei 1 Patienten) abgesetzt. Von den 16 Patienten, die mit der sicheren Maximaldosis (20 Einheiten aus gentechnisch verändertem Herzmuskelgewebe) behandelt wurden, absolvierten 12 Patienten die vorab festgelegte 3-monatige Zwischennachbeobachtung. Der Anstieg der Zielwanddicke nach der Methode der kleinsten Quadrate betrug 4,5 mm (90 %-Konfidenzintervall [KI], 3,7 bis 5,4; P < 0,001), der Anstieg der linksventrikulären Ejektionsfraktion betrug 3,9 Prozentpunkte (90 %-KI, 0,9 bis 6,8; P = 0,04; Anstieg von 20 auf 25%) und der Anstieg des KCCQ-OSS (Kansas City Cardiomyopathy Score – Overall Summary Score) betrug 6,7 Punkte (90 % KI, 1,0 bis 12,5; P = 0,06). Bei allen Patienten trat mindestens ein unerwünschtes Ereignis auf.”
Was irritiert, ist jedoch die Tatsache, dass die Studie nur eine kleine Zahl auswertbarer Patienten enthielt (12), dass jeder der Patienten ein unrerwünschtes Ereignis – allerdings ohne Zusammenhang mit der Grundkrankheit – zeigte. 3 Patienten (15%) verstarben. Daher ist diese Studie kaum verwertbar, obwohl der 12-monatige Endpunkt, der noch nicht erreicht ist, weitere und vielleicht bessere Ergebnisse erwarten läßt. Dennoch müssen Folgestudien begonnen werden.
Lit.:
- Zhang, J., Li, J., Qu, X. et al. Development of a thick and functional human adipose-derived stem cell tissue sheet for myocardial infarction repair in rat hearts. Stem Cell Res Ther 14, 380 (2023). https://doi.org/10.1186/s13287-023-03560-9.
2. Stem-Cell–Derived Biologic Ventricular Assist Tissue in Heart Failure
Zimmermann WH, Ensminger S, Kutschka I, Paitazoglou C, Seidler T, Brandenburg S, Anker SD, er al., for the BioVAT-HF Investigators. Published May 27, 2026 N Engl J Med 2026;394:1991-2001 DOI: 10.1056/NEJMoa2513525
