
Nürnberger Ärzteprozess 1947, Dr. Brandt, Leibarzt Hitlers im Bild
Das “Dritte oder Tausendjährige Reich” des Nationalsozialismus, das den Deutschen über 12 Jahre hinweg ihre geschichtliche und nationale Identität und ihren Patriotismus gestohlen hat, war ein System, das in alle menschlichen Lebensbereiche zerstörerisch hineingewirkt hat. Auch die Medizin hat sich dem System mehr oder weniger leichtfertig unterworfen und viele Fragen auch für den heutigen Menschen und Arzt sind offen:
Warum konnte dieses System mit seiner anfangs überzeugenden Idee der Verbindung von national und sozial bis zu seinem Untergang 1945 so effizient sein?
Warum ist die verbrecherische Grundeigenschaft der herrschenden Clique so spät (oder gar nicht) erkannt worden?Warum konnten sich humane ärztliche, humanistische, ja sogar religiöse Überzeugungen dem fast nicht entziehen?
Diese immer noch offenen Fragen sind offenbar weder damals (nach dem “Zusammenbruch”) noch bis heute befriedigend beantwortet worden. Was hat unsere Eltern und Großeltern bewegt? Vorteilsnahmen – auf jüdische Kosten, Angst und Denunziantentum waren damals die Treiber. Was folgte, war immense Bereitschaft und Zustimmung aller Volksgruppen, auch von uns Ärzten. Wie konnte das geschehen und wäre sowas auch heute noch möglich?
Der Historiker Götz Aly hat neuerdings zu dieser Frage sehr eingehend Stellung genommen (“Wie konnte das geschehen”, S.Fischer, 2025). Betrug, Staatsbankrott, dennoch Wohltaten für alle Rechtgläubigen, Karriere für den Einzelnen, und Krieg, Weltkrieg – so beschreibt er die NS-Lage und das sind in etwa seine Kernaussagen, die sich auf ausgiebiges Quellenstudium stützen.
Man muss leider die Frage nach der aktuellen Bedrohung unserer Demokratie (2026) bejahen, denn es gibt sie wieder, die Volksverhetzer, die Populisten vom Schlage der AfD, die Stammtischparolen, ja sogar tätliche Angriffe auf Andersdenkende. Zum Glück haben wir aber, im Gegensatz zu damals, eine (noch) funktionierende Demokratie. Doch diese wird immer wieder in Frage gestellt.
Gerade ärztliche Gruppierungen wie die moderne DGK haben nun, erst spät, mehr als 70 Jahre danach, mit einer “Aufarbeitung” begonnen. Diese kann nie abgeschlossen oder vergessen sein.
Unsere dennoch vergessende und vergessliche deutsche Gesellschaft aber leidet daran. Bis heute. Und doch: unsere 2029 80 Jahre alte Demokratie und ihr Grundgesetz sind hoffentlich stark genug, um rechten und rechtsradikalen Anfeindungen zu widerstehen. Wirklich?
Historisches Archiv der DGK

